Ein vertrauter Name aus drei Berichten
Viele Leser kennen den Mann als den reichen jungen Vorsteher. Doch kein Evangelium gibt ihm diese vollständige Bezeichnung. Matthäus nennt ihn jung. Lukas bezeichnet ihn als Vorsteher oder Amtsträger. Markus stellt zunächst einen Mann vor, der herbeiläuft, niederkniet und Jesus nach dem ewigen Leben fragt. Alle drei berichten schließlich von seinem Reichtum. Der vertraute Name verbindet also Einzelheiten, die die Evangelisten unterschiedlich verteilen.
Was jedes Evangelium hervorhebt
Matthäus gestaltet das Gespräch um die Frage nach dem Guten, nennt den Fragenden einen jungen Mann und fügt das Gebot der Nächstenliebe ein. Markus berichtet von Eile und Kniefall, nennt das Verbot des Betrugs und hält als Einziger fest, dass Jesus den Mann ansah und liebte. Lukas nennt ihn einen Vorsteher, beschreibt ihn als sehr reich und überliefert die umfassende Aufforderung, alles zu verkaufen. Die Unterschiede zeigen die besondere Erzählweise jedes Evangeliums.
Die gemeinsame Zumutung
In jedem Bericht fragt ein wohlhabender Mann nach dem ewigen Leben, erklärt, die Gebote gehalten zu haben, und erhält den konkreten Ruf, zu verkaufen, den Armen zu geben und Jesus zu folgen. Wegen seines Besitzes wird er traurig. Danach spricht Jesus über die Schwierigkeit, die Reichtum schafft, und über das, was Menschen unmöglich ist, Gott aber möglich bleibt. Der Reichtum ist kein nebensächliches Detail. Dennoch macht besonders Markus aus dem Mann keinen einfachen Bösewicht.
Wo der Bericht endet
Die Evangelien nennen weder den Namen des Mannes noch seine Familie, seinen Beruf, seine Heimat, sein genaues Amt oder seinen späteren Weg. Sie erklären nicht, wie er reich wurde oder was er nach seinem traurigen Fortgang tat. Auch verorten sie die Begegnung nicht ausdrücklich in Jericho. Verantwortungsvolle biblische Fiktion darf diese Leerstellen gestalten, muss ihre Erfindung aber offen benennen. Überliefert ist eine entscheidende Begegnung, nicht ein vollständiges Leben.